Nachlass der Memelländer
Oft wird zu Lebzeiten nicht daran gedacht, die Erbschaft zu regeln.

Ja, es ist nun einmal ein trauriges Thema, und man spricht ungern darüber.

Viele von Ihnen besitzen Unterlagen und Erinnerungsstücke aus dem Memelland, die eines Tages oftmals von Angehörigen aus
Interessenslosigkeit in den Müll wandern. Damit unser Memelland nicht in Vergessenheit gerät haben wir, die AdM, schon vor
Jahrzehnten unser eigenes Archiv aufgebaut, das wir im Oktober 2011 an die Simonaitytes Bibliothek in Klaipeda/Memel als
Leihgabe übergeben haben. Dort wird es fachmännisch aufgearbeitet und ständig für Ausstellungen und Publikationen
herangezogen. Ferner wird das Archiv täglich von vielen Bürgern, ja ganzen Schulklassen besucht, um sich über die deutsche
Vergangenheit des Memellandes zu informieren. Alles, was Sie aus früherer deutscher Zeit noch haben, ist für unser Archiv in
Memel von Interesse, wie Dokumente jeglicher Art, Bücher, Bilder, Haushaltsgegenstände, Trachten/ Bekleidungsstücke, Karten,
Abzeichen, Pokale und und und. Die uns überlassenen Gegenstände werden zunächst in unsere Inventarliste aufgenommen und
erst dann an unser Archiv weitergeleitet. 

Aber auch Bar- und Grund/Immobilienvermögen sollte rechtzeitig geregelt sein, insbesondere dann, wenn keine direkten Erben
vorhanden sind. Wir bzw, Ihre Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise e.V. ( AdM ) wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns
auch hierbei berücksichtigen würden. Nicht nur heute, sondern auch in Zukunft ist es unsere Aufgabe alles zu tun, dass das
Memelland mit seiner kulturellen Vielfalt nicht in Vergessenheit gerät. Hierbei unterstützen uns auch unsere im Memelland
verbliebenen Landsleute, zusammengeschlossen in unseren Deutschen Vereinen in Heydekrug und Memel. Beide Vereine verfügen
über ein eigenes Vereinshaus, deren Unterhaltungskosten nicht mehr aus eigener Kraft zu stemmen sind. Aber gerade diese
Häuser unserer Vereine im Memelland tragen mit dazu bei, dass die deutsche, die memelländische Identität nicht verloren geht.
Auch unser im Baltikum einziges deutsches Gymnasium in Memel das „Hermann Sudermann Gymnasium“ ist auf unsere
Unterstützung angewiesen, wie auch viele andere Projekte im Memelland.

Damit Ihre über Jahrzehnte gehüteten und verwahrten Erinnerungsstücke nicht für alle Zeiten verlorengehen und Ihr Vermögen
nicht ungewollt der Staatskasse zukommt, verfassen Sie bitte rechtzeitig ein handgeschriebenes  mit Datum und Unterschrift
versehenes Testament, in dem Sie festschreiben, wem und was nach Ihrem Ableben zukommen soll.

Wir bitten hiermit um Ihr Verständnis in dieser ernsthaften wie delikaten Angelegenheit, aber vor nicht so langer Zeit hatten wir
von zwei Memelländern die mündliche Zusage erhalten, nach deren Ableben ihr Vermögen der AdM für deren künftige Arbeit für
das Memelland zu vererben. Doch kurz nach der mündlichen Zusage, ohne den letzten Willen schriftlich per Testament
festzuschreiben, verstarben die beiden Landsleute. Das Vermögen ging an die Staatskasse und die AdM ging leer aus.

Wir danken Ihnen heute schon für Ihr Vertrauen und für Ihre Unterstützung und wünschen Ihnen im Übrigen ausdrücklich, dass
Sie uns als Erlebnisgeneration noch recht lange erhalten bleiben.

Ihre

Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise e.V.
Kirschblütenstr. 13
68542 Heddesheim
 
Die Rede des Bundesvorsitzenden der AdM, Uwe Jurgsties, zur Eröffnung der
„Deutschen Kulturtage 2014“ am 24. April 2014 in der Simonaitytes Bibliothek.


Für die Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise darf ich Sie zur Eröffnung der Deutschen Kulturtage 2014 sowie der
Ausstellungseröffnung in der Simonaitytes-Bibliothek unserer gemeinsamen Heimatstadt Memel/Klaipeda herzlich
willkommen heißen. Die diesjährigen Kulturtage dokumentieren durch ihre Vielfalt der Veranstaltungen das Kulturleben
Deutschlands. Jacques Delors, der frühere Präsident der Europäischen Kommission, sagte einmal: „Europa und seinen Kulturen
eine Seele geben“. Was war damit gemeint? Es geht um die politische Kraft der Kultur. Kultur ist kein privater Spielplatz für die
Denker, die Rechtsordnung, unsere Sprache und Bildung, unser Wissen und unser Glauben.

Kultur ist also unsere Art, freiheitlich und human zusammenzuleben. Eine Kultur, die sich frei entfalten kann, ist die Mutter der
Sie lehrt uns, die menschliche Verwandtschaft unter uns allen zu erkennen, gerade auch dann, wenn wir uns in unseren
Interessen und Eigenschaften unterscheiden. Seit Übergabe unseres AdM Archivs im Oktober 2011 wird in diesem Hause sehr viel
Zeit und Kraft bei der Sichtung und Aufarbeitung des Materials investiert. Es ist öffentlich zugänglich, Jurga und Viktorija
stehen den Besuchern mit Rat und Tat zur Seite und konnten durch ihre Recherchen für viele ganzseitige historische Artikel
in der hiesigen Presse beitragen. Im vergangenen Jahr konnten wir eine sehr informative Ausstellung anlässlich des
180. Geburtstags von Friedrich Wilhelm Siebert, dem Herausgeber und Verleger des „Memeler Dampfboot“ bestaunen - im
Jahr zuvor unter dem Titel“ Als Klaipeda noch Memel hieß“ die Transportwege im Memelland und heute unter dem gleichen
Titel die Ausstellung „Spuren der alten Schulen“.

Neben den vielen aufgezeigten Schulen im vergangenen, damals einwohnermäßig doch kleinen Memel, möchte ich noch erwähnen, dass es Anfang der 1930er Jahre in der Kehrwiederstraße auch noch eine Jüdische Schule gab. Durch ihre vielfältige
Arbeit mit dem Archivmaterial der AdM wird den heutigen Bürgern aufgezeigt und vermittelt, dass diese, ihre heutige Stadt, eine
lange deutsche Vergangenheit hat. Ich hoffe, dass viele Bürgerinnen und Bürger in den nächsten Wochen an den vielen
„Meilensteinen“ der 16. „Deutschen Kulturtagen“ Halt machen, um Kultur aktiv zu erleben und nachhaltige Impulse für den
Alltag mitzunehmen. Zum Schluss möchte ich mich recht herzlich bei allen Organisatoren, Sponsoren, Förderern, Partnern und
Mitwirkenden der diesjährigen Kulturtage bedanken. Mein besonderer Dank gilt Herrn Direktor Juozas Siksnelis der unser Archiv
in seine Obhut nahm und ihm viel Raum und Zeit gewährt, den „Wühlmäusen“ Jurga Bardauskiene und Viktorija Intaite, durch
deren Recherchen die vielen Veröffentlichungen und Ausstellungen erst möglich gemacht wurden - und Rasa Miuller, welche die
Arbeiten durch ihre Übersetzungen unterstützt.

[In der Mai-Ausgabe des Memeler Dampfbootes finden sich noch weitere Ansprachen, u.a. vom deutschen Botschafter in Vilnius]
Kultur ist unsere Art“
Deutsche Kulturtage 2014 in Memel

 
Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise e.V.